Themen auf dieser Seite:

Ernährungsarmut

Was Ernährungsarmut bedeutet und von welchen Faktoren sie beeinflusst wird, erfahren Sie auf dieser Seite.

In der Studie „Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung“ wurde eine Definition für das Konzept „Ernährungsarmut“ entwickelt Definition angelehnt an: Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 3 :

Um gesunde und klimafreundliche Ernährungsversorgung für alle Menschen in Österreich zu erreichen, gilt es, sowohl materielle Voraussetzungen als auch soziale Teilhabe zu bedenken und Essen/Ernährung als umfassendes soziales Phänomen zu verstehen. Die materielle Dimension der Ernährung umfasst die ausreichende Quantität und Qualität von Nahrungsmitteln und schließt finanzielle Möglichkeiten sowie ausreichende Lagerungs‐ und Zubereitungsmöglichkeiten ein. Ergänzend ist das subjektive Empfinden zu berücksichtigen. Es wird in entscheidendem Ausmaß von der Möglichkeit geprägt, auf eine gesellschaftlich akzeptierte Weise soziale Beziehungen aufzubauen durch die Übernahme von Rollen und Funktionen. In diesem Zusammenhang gilt es, die sogenannte „double burden of malnutrition“ das gleichzeitige Bestehen von Unterernährung (z.B. zu geringe Versorgung mit Vitaminen oder Mikronährstoffen) mit Übergewicht und Fettleibigkeit oder ernährungsbedingten, nicht übertragbaren Erkrankungen zu thematisieren.

Diese Definition umfasst sowohl den materiellen als auch den sozialen Charakter der Ernährungsarmut.

Materielle Ernährungsarmut bedeutet, dass es sowohl quantitativ als auch qualitativ an Mitteln (Geld, Zeit, Nahrung selbst) mangelt. Sie äußert sich mit folgenden Merkmalen in Form einer moderaten oder schweren materiellen Ernährungsarmut Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 12 :

Moderate materielle Ernährungsarmut heißt:
  • Die Person verfügt über unzureichende Mittel für eine gesunde Ernährung.
  • Die Person ist sich unsicher, ob sie sich Lebensmittel leisten kann.
Schwere materielle Ernährungsarmut heißt:
  • Die Person hat möglicherweise keine Lebensmittel zur Verfügung.
  • Die Person hatte eventuell einen ganzen Tag nichts zu essen (während des Zeitraums der Befragung).

Soziale Ernährungsarmut liegt vor, wenn soziale Beziehungen, Rollen, Funktionen bzw. Sitten und Gebräuche in Zusammenhang mit Essen und Nahrungsaufnahme nicht eingehalten werden können Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 21 .  

Laut einer international vergleichbaren Auswertung erleben in Österreich 12,02 % der Bevölkerung Ernährungsarmut, darunter 4,6 % schwere Ernährungsarmut Gesundheit Österreich GmbH (2024)Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 24 . Insgesamt drei Viertel der von Ernährungsarmut Betroffenen geben an, dass sie entweder selbst aufgrund der materiellen Ernährungsarmut auf eine Mahlzeit verzichtet haben oder dass der Partner oder die Partnerin verzichtet hätte. Frauen verzichten etwas häufiger auf Mahlzeiten als Männer Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 43 f. .

Neben der Leistbarkeit und dem Zugang zu Lebensmitteln spielen für Betroffene von Ernährungsarmut auch folgende Themen eine Rolle: wenig Möglichkeiten, gemeinsam zu essen, Kantinen oder Mensen zu besuchen, auswärts zu essen oder zum Essen einzuladen Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 41 ff. .

Betroffene von Ernährungsarmut nennen mehr finanzielle Mittel, mehr Zeit zum Kochen und leistbare Lebensmittel, die auch gesund und umweltfreundlich sind, als wichtigste Aspekte, die zur Verbesserung ihrer Situation beitragen könnten Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 53 .

Aus Sicht von Expertinnen und Experten sind mehrere Maßnahmen zentral:

  • kostenlose Verpflegung in Bildungs- und Sozialeinrichtungen,
  • Angebote der Gemeinschaftsverpflegung für ältere Menschen,
  • die Stärkung der Ernährungskompetenz,
  • steuerliche Anpassungen sowie
  • Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel.

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, ein nachhaltiges und souveränes Ernährungs- und Lebensmittelsystem zu stärken Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 55

Sozioökonomische Einflüsse in der Ernährung

Die Studie „Ernährungsarmut“ benennt Personengruppen, die eher von materieller Ernährungsarmut betroffen sind als andere:

  • Einpersonenhaushalte
  • Haushalte mit Kindern
  • Menschen, die in Regionen mit hohem Urbanisierungsgrad leben
  • Arbeitslose oder Arbeitssuchende
  • Personen mit Pflichtschulabschluss
  • dauerhaft Arbeitsunfähige aufgrund von gesundheitlichen Problemen

Soziale Ernährungsarmut betrifft ähnliche Bevölkerungsgruppen wie die materielle Ernährungsarmut. Die verschiedenen Formen der Ernährungsarmut treten in nahezu allen Altersgruppen und bei allen Geschlechtern auf Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 27ff .  

Haushaltsausgaben für Ernährung

Menschen mit geringem Einkommen geben einen viel größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aus als solche mit höherem Einkommen. Das verfügbare Budget für Lebensmittel wird in einkommensschwachen Haushalten stark durch die Fixkosten für andere Lebensbereiche wie Wohnen oder Heizen begrenzt. Von Armut betroffene Haushalte reduzieren daher eher den Lebensmitteleinkauf bzw. kaufen billigere Nahrungsmittel, die jedoch häufig einen höheren Fett- und Zuckeranteil aufweisen. Daher ist die Qualität der Ernährung in einkommensschwachen Haushalten oft schlechter als in einkommensstarken, was entsprechende gesundheitliche Auswirkungen hat Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 3-6 . Die folgende Abbildung zeigt, dass die Anteile des Einkommens, die für Ernährung und alkoholfreie Getränke ausgegeben werden, bei niedrigen Einkommen höher sind und mit steigendem Einkommen einen kleineren Anteil der gesamten Ausgaben ausmachen.

Ausgabenanteile für Wohnen, Ernährung, Freizeit und Verkehr nach Dezilen der Äquivalenzeinkommen.
Quelle: STATISTIK AUSTRIA (2022), Verbrauchsausgaben 2019-20. Sozialstatistische Ergebnisse der Konsumerhebung, S. 43.

Ein ernährungsbezogener Indikator wird auch in der EU-SILC-Befragung Erhebung der Lebens- und Einkommensbedingungen in der Europäischen Union, vgl. Statistik Austria, EU-SILC verwendet, um materielle oder soziale Benachteiligung abbilden zu können. Aus dem Befragungsjahr 2024 ergibt sich folgendes Bild: 5 % der Menschen, die in einem Privathaushalt leben, geben an, es sich nicht leisten zu können, dass alle Haushaltsmitglieder jeden zweiten Tag eine Hauptmahlzeit mit Fleisch oder Fisch bzw. eine vegetarische Hauptmahlzeit essen. Der steirische Wert entspricht ebenfalls 5 % (dies entspricht etwa 62.000 Personen in Privathaushalten). Aufgrund geringer Fallzahlen ist der Wert mit Vorsicht zu interpretieren Statistik Austria (2025). Tabellenband. EU-SILC 2024, S. 168 .

Zwischen 2021 und 2023 galten 167.000 Menschen in der Steiermark als armutsgefährdet.

Lesen Sie hier weiter zum Thema Armut

Lesen Sie hier weiter zur Einkommensverteilung in der Steiermark.

Lesen Sie hier weiter zur Verteilung des BMI in der Bevölkerung. Eine Auswertung der HBSC-Studie 2022 zeigt den sozioökonomischen Gradienten in der Verteilung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen.

Daten der Konsumerhebungen weisen die Anteile der Haushaltsausgaben aus, die für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke, alkoholische Getränke und Tabakwaren sowie für Besuche in Cafés und Restaurants ausgegeben werden. In der Steiermark wurden in der Erhebung 2019/20 demnach 12,55 % der gesamten monatlichen Verbrauchsausgaben für Ernährung und alkoholfreie Getränke ausgegeben (Österreich: 12,06 %). Dies entspricht 384 EUR (Österreich: 392 EUR).

Abb. 987: Anteil der Ausgaben für Ernährung und alkoholfreie Getränke, alkoholische Getränke und Tabakwaren sowie Cafés und Restaurants an allen monatlichen Verbrauchsausgaben im Zeitverlauf.
Für Steiermark und Österreich gesamt für die Jahre 1999/2000, 2004/2005, 2009/2010, 2014/2015 und 2019/2020
Grundgesamtheit: Ausgaben gesamt Steiermark 2019/2020 = € 3.060; Ausgaben gesamt Österreich 2019/2020 = € 3.250
Statistik Austria, Konsumerhebung 1999/2000, 2004/2005, 2009/2010, 2014/2015, 2019/2020; Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark; Darstellung: EPIG GmbH

Veröffentlicht am 20.11.2025, Download von https://gesundheitsbericht-steiermark.at/

Die Konsumerhebung wird in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Die nächste Erhebung wird im Juni 2026 veröffentlicht.

Auswertungen aus der Konsumerhebung nach sozioökonomischen Daten zeigen, dass folgende Faktoren mit einem höheren Anteil der monatlichen Verbrauchsausgaben für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke einhergehen Statistik Austria (2022). Verbrauchsausgaben. Sozialstatistische Ergebnisse der Konsumerhebung, S. 27 ff. :

  • niedrige Schulbildung, vor allem maximal Pflichtschulabschluss,
  • Arbeitslosigkeit,
  • niedrig qualifizierte unselbstständige Arbeit, z.B. Hilfstätigkeiten, aber auch Arbeiterinnen und Arbeiter sind betroffen Schulbildung und Art der unselbsständigen Arbeit wirken sich entsprechend auch in der Pension aus ,
  • insgesamt weniger verfügbare Mittel, die mit weniger monatlichen Verbrauchsausgaben einhergehen,  
  • eine nicht-österreichische Staatsbürgerschaft bzw. ausländischer Geburtsort der Referenzperson, vor allem aus Nicht-EU- oder EFTA-Staaten,
  • fünf oder mehr Personen im Haushalt bzw. Haushalte mit drei oder mehr Kindern und
  • Einpersonenhaushalte von Frauen im Alter von 60 Jahren und älter.

Entwicklung der Lebensmittelpreise

Neben den individuell verfügbaren Ressourcen für Verbrauchsausgaben ist auch die Preisentwicklung ein Einflussfaktor. Diese wird durch den Verbraucherpreisindex dargestellt. Der Anstieg der Preise für Nahrungsmittel und für alkoholfreie Getränke liegt demnach in den letzten Jahren in Österreich höher als der Verbraucherpreisindex insgesamt:

  • VPI 2010
  • VPI 2015
  • VPI 2020

Abb. 997: Verbraucherpreisindex im Jahresdurchschnitt auf Basis 2010 im Zeitverlauf.
Für Österreich gesamt für die Jahre 2016 bis 2024
Statistik Austria, Verbraucherpreisindex; Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark; Darstellung: EPIG GmbH

Veröffentlicht am 20.11.2025, Download von https://gesundheitsbericht-steiermark.at/

Abb. 998: Verbraucherpreisindex im Jahresdurchschnitt auf Basis 2015 im Zeitverlauf.
Für Österreich gesamt für die Jahre 2016 bis 2024
Statistik Austria, Verbraucherpreisindex; Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark; Darstellung: EPIG GmbH

Veröffentlicht am 20.11.2025, Download von https://gesundheitsbericht-steiermark.at/

Abb. 999: Verbraucherpreisindex im Jahresdurchschnitt auf Basis 2020 im Zeitverlauf.
Für Österreich gesamt für die Jahre 2021 bis 2024
Statistik Austria, Verbraucherpreisindex; Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark; Darstellung: EPIG GmbH

Veröffentlicht am 20.11.2025, Download von https://gesundheitsbericht-steiermark.at/

Mikrowarenkorb der Arbeiterkammer Steiermark

Für die Steiermark wird von der Arbeiterkammer Steiermark in Anlehnung an den Mikrowarenkorb der Statistik Austria, der als Index für den täglichen Einkauf verwendet wird, regelmäßig eine steiermarkspezifische Erhebung der Lebensmittelpreise durchgeführt Arbeiterkammer Steiermark (2025). AK-Warenkorb 2025 .

Für die 17 Produkte des steirischen Warenkorbs waren im Jahr 2025 im Schnitt EUR 42,61 zu bezahlen (Billigprodukte: EUR 24,95; Bio-Produkte: EUR 52,93; Markenprodukte: EUR 46,61). Die Preisunterschiede der einzelnen Produkte zwischen dem jeweils billigsten und teuersten verfügbaren Produkt sind teilweise sehr groß. Sie belaufen sich beispielsweise auf 100,63 % zwischen der billigsten und der teuersten Teebutter und auf 590,91 % zwischen der billigsten und der teuersten Vollmilchschokolade.

Im Vergleich zur Erhebung im Jahr 2024 wurde der steirische Warenkorb im Jahr 2025 um EUR 0,59 (1,37 %) günstiger. Im Durchschnitt betrachtet wurden Billigprodukte (0,52 %) und Markenprodukte (0,65 %) teurer, während der Preis für Bioprodukte im Durchschnitt gesunken ist (6,10 %).

Abb. 1000: Durchschnittspreise im Steirischen AK-Warenkorb gesamt und nach Produktgruppen im Zeitverlauf. 
Für Steiermark gesamt für die Jahre 2020 bis 2025
Arbeiterkammer Steiermark, Steirischer AK-Warenkorb; Darstellung: EPIG GmbH

Veröffentlicht am 17.12.2025, Download von https://gesundheitsbericht-steiermark.at/

Ernährungsgewohnheiten und Ernährungsentscheidungen

Die Studie „Ernährungsarmut“ zeigt, dass die Ernährungsgewohnheiten von Menschen, die von Ernährungsarmut betroffen sind, nahezu ident mit denen der Gesamtbevölkerung sind. Rund 90 % aller Befragten essen entweder alles, inklusive Fleisch, Milch und Milchprodukten, oder orientieren sich an einer vegetarischen Ernährung mit ab und zu Fleisch. Jedoch ist das Entscheidungskriterium Preis für von Ernährungsarmut Betroffene wichtiger im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Im Schnitt sind in der Gesamtbevölkerung die Kriterien Genuss sowie Gesundheit, Umwelt-/Klimaschutz, Appetit und Gemeinschaft wichtiger als für Menschen, die von Ernährungsarmut betroffen sind Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 31 f. .

Ist es möglich, sich kostengünstig, aber trotzdem gesundheitsförderlich zu ernähren?

Der Ernährungsstil ist laut einer Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau und des WWF aus dem Jahr 2025 der ausschlaggebende Grund für die Kosten sowie die Treibhausgas-Emissionen, die die Ernährung verursacht. Eine biologische und gesundheitsförderliche Ernährung ist nicht teurer als ein anderer Ernährungsstil, wenn Abfälle vermieden werden und Einsparungen z.B. bei Getränken gemacht werden oder Überkonsum vermieden wird WWF (2025). Leistbarkeit einer gesunden und biologischen Ernährung in Österreich, WWF-Ernährungsstudie 2025 .

Auch eine gemeinsam durchgeführte Studie der Arbeiterkammer Steiermark mit dem Gesundheitsfonds Steiermark im Jahr 2016 ging dieser Frage nach Arbeiterkammer Steiermark; Gesundheitsfonds Steiermark (2016). Was kostet gesunde Ernährung? Eine Untersuchung der Fach- und Koordinationsstelle Ernährung des Gesundheitsfonds Steiermark in Kooperation mit der Arbeiterkammer Steiermark .

  • Demnach kann eine gesundheitsförderliche Ernährung etwa gleich viel kosten, wenn Mehrkosten, die durch höhere Mengen an Obst und Gemüse entstehen, durch eine Reduktion des Kaufs von Fleisch und Wurst, Getränken und Süßigkeiten ausgeglichen wird.
  • Hülsenfrüchte sind günstige Eiweißlieferanten.
  • Vollkornprodukte, vor allem Vollkornbrot verursachen höhere Kosten.
  • Obst und Gemüse ist günstiger, wenn es während der Saison gekauft wird.
  • Einsparungspotential gibt es vor allem bei Getränken, hier kann z.B. durch den Konsum von Leitungswasser sowie durch den Verzicht oder die Reduktion von Softdrinks und Energy-Drinks gespart werden.
  • Neben dem Einkauf können eine sorgfältige Planung sowie ein geplanter Einkauf, mehr Selbstkochen, Bevorratung und Vermeidung von Lebensmittelabfällen (z.B. Reste verwerten) und auch Preisvergleiche dabei helfen, kostengünstig und trotzdem gesundheitsförderlich zu essen.

Versorgung mit Lebensmitteln

Von Ernährungsarmut Betroffene kaufen eher als die Gesamtbevölkerung bei Diskontern ein (z.B. Hofer, Lidl, Penny). Lebensmittelgeschäfte wie Billa oder Spar sind die zweithäufigsten Orte für den Lebensmitteleinkauf. Wochenendmärkte oder Direktvermarkter spielen für Personen, die von Ernährungsarmut betroffen sind, eine geringere Rolle im Lebensmitteleinkauf, verglichen mit der Gesamtbevölkerung Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 37 .

86 % des Lebensmittelmarktes werden in Österreich vom Lebensmitteleinzelhandel (Supermärkte, Verbrauchermärkte und Diskonter) erwirtschaftet. 93 % der Lebensmitteleinkäufe werden dort getätigt. Weitere Möglichkeiten des Lebensmitteleinkaufs bieten Spezial-Lebensmittelhändler (7,2 %) (z.B. Getränke, Obst, Gemüse, Fleischwaren, Backwaren, etc.), Tankstellenshops (1 %), Direktvermarkter des Lebensmittelgewerbes (4,5 %), landwirtschaftliche Direktvermarkter (0,7 %) und Straßenmärkte (0,5 %) WKO (2025). Der Lebensmittelhandel .

Für Graz wurden Möglichkeiten erarbeitet, Lebensmittel regional und energie- und ressourcenschonend zu produzieren. Das Smart Food Grid Graz zeigt, dass 30 % der für Graz benötigten Lebensmittel bis zum Jahr 2030 in einem Umkreis von 30 Kilometern bezogen werden könnten. Neben der Einsparung von Treibhausgas-Emissionen bedeutet dies auch kurzkettige und ausfallssichere Versorgungsnetze sowie Beschäftigung zu schaffen.

Kooperativen und alternative Lebensmittel-Netzwerke haben sich in den letzten Jahren insbesondere im urbanen Raum mit landwirtschaftlich geprägtem Umland etabliert. Sozioökonomisch Benachteiligte und Menschen mit Migrationshintergrund nehmen jedoch an diesen Kooperationen kaum teil. Um diese soziale Exklusion zu überwinden, bedarf es Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Dazu zählen die partizipative Einbindung der Zielgruppen, die Schaffung wohnortnaher Angebote sowie die kooperative Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen Steinwender, D. et al. (o.J.). Social inclusion through a „SuperCoop“? Addressing exclusion by organisational innovation in alternative food provision schemes .

Lebensmittelweitergabe

Verschiedene private, kirchliche und karitative Organisationen ermöglichen in der Steiermark die günstige Weitergabe von Lebensmitteln. Die Einrichtungen erhalten die Waren meist kostenlos vom Handel, von der Industrie oder von privaten Produzenten. Die Bezugspersonen müssen die Bedürftigkeit nachweisen Land Steiermark (2025). Lebensmittelweitergabe . Die Einrichtungen sind meist über Dachverbände, wie die Sozialmärkte oder die Tafel Österreich, österreichweit miteinander vernetzt.

Sozialmärkte

Die Sozialmärkte bieten einkommensschwachen Menschen die Möglichkeit, günstig Lebensmittel zu kaufen (um max. 30 % des Normalwertes). Verkauft werden Produkte, die sonst entsorgt werden würden – etwa falsch etikettierte, leicht beschädigte oder kurz vor bzw. nach dem Ablaufdatum stehende Waren. Meist gibt es wöchentliche Einkaufslimits, um Missbrauch zu vermeiden.

Hier finden Sie alle Sozialmärkte in den Regionen der Steiermark.

„Team Österreich“-Tafel

Bei der „Team Österreich“-Tafel werden mit Hilfe von freiwilligen Helfern und Helferinnen überschüssige, aber einwandfreie Lebensmittel von Supermärkten, Bäckereien, Bauern und Produzenten gesammelt. Diese werden kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag an Bedürftige weitergegeben. In der Steiermark finden die Ausgaben meist wöchentlich statt und ergänzen damit die bestehenden Sozialmärkte.

Hier finden Sie alle Ausgabestellen der „Team Österreich“-Tafel in der Steiermark.

FAIR-Teiler

Um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken, können Privatpersonen in den FAIR-Teilern (öffentliche Kästen, Regale und Kühlschränke) Lebensmittel abgeben, die sie nicht mehr benötigen (z.B. vor dem Urlaub). Andere Menschen dürfen diese Lebensmittel kostenlos mitnehmen. Das Netzwerk der FAIR-Teiler trägt dazu bei, dass weniger noch genießbare Lebensmittel im Müll landen.

Hier finden Sie alle FAIR-Teiler Standorte in der Steiermark.

Die Plattform Too Good To Go ermöglicht es Betrieben, überschüssige, aber noch genießbare Lebensmittel direkt an Endverbraucher zu vergünstigten Preisen zu verkaufen, anstatt sie wegzuwerfen. Während Organisationen wie die „Tafel“ darauf abzielen, Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen, will „Too Good To Go“ die Verschwendung von Lebensmitteln im Handel eindämmen, indem es über eine App den Verkauf überschüssiger Ware an die breite Öffentlichkeit fördert.  

Gemeinschaftsverpflegung

Angebote der Gemeinschaftsverpflegung finden sich in Einrichtungen wie Kindergärten und Kinderkrippen, Schulen, Krankenhäusern, Wohn-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen oder Betrieben. Dort werden regelmäßig viele Menschen mit Mahlzeiten versorgt BMASGPK (2024). Gemeinschaftsverpflegung . Im Kontext der Ernährungsarmut besteht die Möglichkeit, Betroffene nachhaltig und gesundheitsförderlich mit Mahlzeiten zu versorgen und auch dem sozialen Charakter des gemeinsamen Essens Rechnung zu tragen. Exemplarisch können folgende Beispiele für Förderungen genannt werden:

In der Steiermark werden von der Fach- und Koordinationsstelle Ernährung Informationen und Richtlinien zur Verfügung gestellt, wie Gemeinschaftsverpflegung in den verschiedenen Einrichtungen gesundheitsförderlich gelingen kann. Beispiele dafür sind:

Ernährungskompetenz

Die Ernährungskompetenz umfasst Fähigkeiten und Praktiken rund um eine gesunde Ernährung – von der Planung der Ernährung bis zu soziokulturellen Ernährungspraktiken, wie z. B. bewusstes gemeinsames Essen Gesundheit Österreich GmbH (2023). Factsheet Ernährungskompetenz. Ergebnisse der Ernährungskompetenz-Befragung 2021, S. 1 .

Eine österreichische Befragung im Jahr 2021 ergab: Von Ernährungsarmut Betroffene verfügen über hohe Ernährungskompetenz, und sie wissen auch gut über klimafreundliche und gesundheitsförderliche Aspekte von Lebensmitteln Bescheid Gesundheit Österreich GmbH (2024). Ernährungsarmut in Österreich als Barriere für eine gesunde und klimafreundliche Ernährung. Status quo und Handlungsoptionen, S. 62 .

Aktualisiert am 17.12.2025