Cookie Consent by PrivacyPolicies.com
Gesundheitsfonds Steiermark (Hg.) (2021): Gesundheitsbericht für die Steiermark 2020.
www.gesundheitsbericht-steiermark.at – 16.10.2021

Gesunde Arbeitswelt

Gesundheitsbedingungen im Arbeitsleben verbessern.

Sowohl die Gesundheitsziele Österreich als auch die Gesundheitsziele Steiermark haben ein Ziel dem Arbeitsleben gewidmet. Um darzustellen, ob sich die Gesundheitsbedingungen im Arbeitsleben in den letzten Jahren verbessert haben und sich auf die Gesundheit der Steirerinnen und Steirer auswirken, werden 4 Indikatoren herangezogen:

  • Gesunde Betriebe: Betriebe, die mit dem Gütesiegel des Netzwerks für Betriebliche Gesundheitsförderung ausgezeichnet sind
  • Krankenstände: Wie hoch ist die Krankenstandsquote und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert?
  • Arbeitsklima: Was sagt der Arbeitsklimaindex für die Steiermark im österreichischen Vergleich?
  • Präsentismus: Wie viele Personen gehen trotz gesundheitlicher Probleme zur Arbeit?

Gesunde Betriebe

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) will als Unternehmensstrategie Krankheiten am Arbeitsplatz vorbeugen, die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärken und deren Wohlbefinden verbessern.
In der Steiermark bieten die ÖGK und BVAEB Beratungs- und Unterstützungsleistungen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung für Betriebe an.

Betriebliche Gesundheitsförderung
befähigt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
zur aktiven Teilhabe in der Gestaltung
der Lebenswelt Betrieb .

Ziele betrieblicher Gesundheitsförderung sind u.a. höhere Arbeitszufriedenheit, bessere Produktivität, größere Innovationsoffenheit und weniger krankheitsbedingte Abwesenheit. Betriebliche Gesundheitsförderung kann auch einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit leisten, wenn sie in den Betrieben umgesetzt wird, in denen z.B. Personen mit niedrigen Einkommen und damit häufig hoher Belastung arbeiten.

Das BGF-Gütesiegel ist ein Zeichen dafür, dass ein Betrieb ein BGF-Projekt erfolgreich umgesetzt und anschließend in den Regelbetrieb implementiert hat. Es wird für 3 Jahre verliehen und kann wiederbeantragt werden.

2019 hatten 115 steirische Betriebe das BGF-Gütesiegel. 27.319 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in diesen Betrieben beschäftigt. Die dargestellten Werte für 2019 beinhalten daher Betriebe, denen das Gütesiegel 2019 zuerkannt wurde, und Betriebe, die im zweiten oder dritten Jahr das Gütesiegel tragen. Die Landkarte zeigt den Anteil der Beschäftigten in Gütesiegel-Betrieben an allen unselbständig erwerbstätigen Personen in der Steiermark. Die Daten lassen nur einen Rückschluss auf die Standorte der Betriebe zu, eine Darstellung nach dem Wohnort der Beschäftigten ist mit diesen Daten nicht möglich.

115
steirische Betriebe hatten 2019 das BGF-Gütesiegel.

27.319
Personen waren 2019 in diesen
Betrieben beschäftigt.

Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in BGF-Betrieben an allen unselbständig Beschäftigten
nach steirischen Versorgungsregionen 2019
Österreichisches Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung; Bearbeitung EPIG GmbH

Seit 2008 hat die Zahl der Gütesiegelbetriebe in der Steiermark kontinuierlich zugenommen. Der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gütesiegelbetrieben an allen unselbständig Erwerbstätigen ist ebenfalls gestiegen. Im Vergleich zu Österreich ist in der Steiermark sowohl die Anzahl an BGF-Betrieben als auch der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in BGF-Betrieben an den unselbständig Erwerbstätigen schwächer angestiegen. Damals zählten 15 steirische Betriebe zu den Gütesiegelbetrieben.

Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in BGF-Betrieben an allen unselbständig Beschäftigten
nach steirischen Bezirken für die Jahre 2008-2019
Österreichisches Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung; Bearbeitung EPIG GmbH

Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in BGF-Betrieben an allen unselbständig Beschäftigten
nach steirischen Versorgungsregionen für die Jahre 2008-2019
Österreichisches Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung; Bearbeitung EPIG GmbH


Krankenstände

Die Krankenstandsquote bezeichnet der Summe der
Krankenstandstage im Jahr in Relation zum Arbeitsvolumen
der Versicherten. Das Arbeitsvolumen ergibt sich
aus der Anzahl der Versicherten pro Jahr.

Die Krankenstandsquote ist ein Indikator für den Verlust an Jahresarbeitstagen aufgrund von krankheits- und unfallbedingten Fehlzeiten und daher eine gesundheitspolitische Zielgröße. Allerdings weist eine sinkende Krankenstandsquote nicht zwangsläufig darauf hin, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesünder sind. Präsentismus, also das Arbeiten, obwohl ein gesundheitliches Problem vorliegt, führt z. B. auch zu einer niedrigen Krankenstandsquote. Außerdem haben die allgemeine wirtschaftliche Lage, branchenspezifische und institutionelle Faktoren Einfluss auf die Höhe der Krankenstandsquote.

Die Daten zur Krankenstandsquote liegen nach den Sozialversicherungsträgern vor. Als Näherung an die Krankenstandsquote der Steirerinnen und Steirer wird die Krankenstandsquote der Personen herangezogen, die bei der Landesstelle Steiermark der Österreichischen Gesundheitskasse versichert sind.

Insgesamt liegt die Krankenstandsquote für österreichische Angestellte und Arbeiterinnen und Arbeiter bei 3,6 %. Zwischen den Männern (3,5 %) und den Frauen (3,8 %) ist der Unterschied relativ gering. Allerdings zeigt sich ein großer Unterschied zwischen den Angestellten (3,0 %) und den Arbeiterinnen und Arbeitern (4,9 %).

(Krankenstandsquote der Versicherten bei der ÖGK nach Landesstellen für Arbeiter und Angestellte
nach Geschlecht und österreichischen Bundesländern 2019
Österreichische Sozialversicherung; Bearbeitung EPIG GmbH

Krankenstandsquote der Versicherten bei der ÖGK nach Landesstellen für Arbeiter
nach Geschlecht und österreichischen Bundesländern 2019
Österreichische Sozialversicherung; Bearbeitung EPIG GmbH

Krankenstandsquote der Versicherten bei der ÖGK nach Landesstellen für Angestellte
nach Geschlecht und österreichischen Bundesländern 2019
Österreichische Sozialversicherung; Bearbeitung EPIG GmbH

Tatsächlich liegt die Krankenstandsquote etwas höher, da es eine Untererfassung von kurzen Krankenstandsepisoden (1 bis 3 Tage) gibt. Allerdings kommt es dadurch zu keiner starken Verzerrung der Statistik, da die kurzen Krankenstandsepisoden nur einen kleinen Teil der krankheitsbedingten Fehlzeiten ausmachen

Seit 2010 liegt die Krankenstandsquote der Personen, die bei der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse bzw. der Landesstelle Steiermark der Österreichischen Gesundheitskasse versichert sind, in den meisten Jahren unter dem österreichischen Wert. Nur 2018 lag die Krankenstandsquote der Steirerinnen und Steirer etwas über dem österreichischen Durchschnitt.

In der folgenden Grafik wird die Krankenstandsquote der Gebietskrankenkassen, der Betriebskrankenkassen, der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau sowie der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter abgebildet.

Krankenstandsquote der ÖGK-Versicherten nach Landesstellen für Arbeiter und Angestellte
für die Jahre 2010-2019
Österreichische Sozialversicherung; Bearbeitung EPIG GmbH

Krankenstandsquote der ÖGK-Versicherten nach Landesstellen für Arbeiter
für die Jahre 2010-2019
Österreichische Sozialversicherung; Bearbeitung EPIG GmbH

Krankenstandsquote der ÖGK-Versicherten nach Landesstellen für Angestellte
für die Jahre 2010-2019
Österreichische Sozialversicherung; Bearbeitung EPIG GmbH


Arbeitsklima

Der Arbeitsklima Index beruht auf vierteljährlichen standardisierten Befragungen
von jeweils 900 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Österreich.
Jeweils zwei Erhebungswellen werden zur Neuberechnung des Index herangezogen.

Seit 1997 wird der Österreichische Arbeitsklima Index erhoben. Er bildet die Zufriedenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit den Arbeitszeiten, mit Belastungen am Arbeitsplatz und mit der Einschätzung der Arbeitsplatzsicherheit sowie den Karrieremöglichkeiten ab. Je höher der Indexwert, desto höher ist die Zufriedenheit und desto geringer sind die wahrgenommenen Belastungen.

Aufgrund der Stichprobengröße werden mehrere Jahre im Durchschnitt dargestellt. Dabei wird deutlich, dass der Arbeitsklimaindex in der Steiermark sehr deutlich angestiegen ist. Frauen bewerten ihre Arbeitszufriedenheit höher als Männer und Personen mit höheren Bildungsabschlüssen zeigen ebenfalls eine höhere Arbeitszufriedenheit als Personen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen.

Das Alter hat weniger Einfluss auf die Bewertung der Arbeitszufriedenheit. Personen zwischen 26 und 35 Jahren sind geringfügig zufriedener als Personen anderer Altersgruppen.

Arbeitsklimaindex
nach Geschlecht für die Steiermark im Durchschnitt für die Jahre 2005-2019
Arbeiterkammer Oberösterreich

Arbeitsklimaindex
nach Geschlecht für Österreich im Durchschnitt für die Jahre 2005-2020
Arbeiterkammer Oberösterreich

Die Punktewerte sind folgendermaßen einzuordnen:
Bis 93 Punkte: sehr schlechte Arbeitszufriedenheit
94 bis 106 Punkte: schlechte Arbeitszufriedenheit
107 bis 115 Punkte: durchschnittliche Arbeitszufriedenheit
116 bis 125 Punkte: gute Arbeitszufriedenheit
126 Punkte und mehr: sehr gute Arbeitszufriedenheit


Präsentismus

Präsentismus beschreibt die Bereitschaft, trotz Krankheit arbeiten zu gehen. Dafür gibt es vielfältige persönliche, arbeitsbedingte und gesellschaftliche Gründe. Knapp 48 % der Steirer und 57 % der Steirerinnen gaben im Rahmen der Österreichischen Gesundheitsbefragung an, trotz gesundheitlicher Probleme zur Arbeit gegangen zu sein. Im Vergleich mit Österreich liegen die steirischen Männer unter dem österreichischen Durchschnitt von 52 %. Bei den Frauen ist der Wert gleich hoch.

Anteil der Personen, die in den letzten 12 Monaten trotz gesundheitlicher Probleme zur Arbeit gegangen sind
nach steirischen Versorgungsregionen 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Anteil der Personen, die in den letzten 12 Monaten trotz gesundheitlicher Probleme zur Arbeit gegangen sind
nach österreichischen Bundesländern 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Selbstberichteter Präsentismus
nach Geschlecht und Bildungsstand für die Steiermark gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Bei den Männern ist die Bereitschaft, trotz einer Erkrankung zur Arbeit zu gehen im Alter von 35 bis 44 Jahre am höchsten. Bei den Frauen zeigt sich kein so eindeutiges Bild.

Selbstberichteter Präsentismus
nach Alter in 10-Jahres-Schritten und Geschlecht für die Steiermark gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark