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Gesundheitsfonds Steiermark (Hg.) (2021): Gesundheitsbericht für die Steiermark 2020.
www.gesundheitsbericht-steiermark.at – 17.10.2021

Gesundheitssystem

Gesundheitssystem gesundheitsfördernd gestalten.

Allen Menschen einen gleichwertigen Zugang zu einem qualitativ hochstehenden Gesundheitswesen zu ermöglichen ist einer der Grundsätze des Steirischen Gesundheitsplan 2035. Der Zugang zur medizinischen Versorgung ist daher ein wesentlicher Indikator in diesem Kapitel.

In Hinblick auf das Gesundheitsziel „Gesundheitssystem gesundheitsfördernd gestalten“, ist weiters die Rolle von Laien im Gesundheitswesen ein interessanter Themenbereich. Daher werden Daten zum Selbsthilfebereich und zur Gesundheitskompetenz dargestellt.

Abschließend wird die Verankerung des Österreichischen Netzwerks gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen (ONGKG) in der Steiermark kurz erläutert.


Zugang zur medizinischen Versorgung

Der Zugang zur medizinischen Versorgung wird anhand der letzten Besuche bei Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern, der Inanspruchnahme der allgemeinen Vorsorgeuntersuchung sowie der Nichtinanspruchnahme einer medizinischen Leistung abgebildet.

Im Rahmen der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2019 gaben 80,2 % der Steirerinnen und Steirer an, innerhalb der letzten 12 Monate bei einem Allgemeinmediziner oder einer Allgemeinmedizinerin gewesen zu sein. Das entspricht dem österreichischen Durchschnitt, der bei 79,4 % liegt. Bei den Frauen liegt der Anteil mit 83,2 % etwas höher als bei den Männern mit 77,0 %.

Anteil der Personen, der in den letzten 12 Monaten eine Allgemeinärztin bzw. einen Allgemeinarzt aufgesucht hat
nach steirischen Versorgungsregionen 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Anteil der Personen, der in den letzten 12 Monaten eine Allgemeinärztin bzw. einen Allgemeinarzt aufgesucht hat
nach österreichischen Bundesländern 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Letzter Besuch bei einer Allgemeinärztin bzw. einem Allgemeinarzt
nach Geschlecht, Bildungsstand und Steiermark gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Letzter Besuch bei einer Allgemeinärztin bzw. einem Allgemeinarzt
nach Geschlecht, Bildungsstand und Österreich gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Letzter Besuch bei einer Allgemeinärztin bzw. einem Allgemeinarzt
nach Alter in 10-Jahres-Schritten, Geschlecht, Steiermark und Österreich gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Letzter Besuch bei einer Allgemeinärztin bzw. einem Allgemeinarzt
nach Alter in 10-Jahres-Schritten, Geschlecht, Steiermark und Österreich gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Mit der Vorsorgeuntersuchung wird allen Personen ab dem 18. Lebensjahr ein Untersuchungsprogramm angeboten, das einmal pro Jahr in Anspruch genommen werden kann. Das Angebot besteht seit 1974. Im Jahr 2005 wurde die Vorsorgeuntersuchung vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und der Ärztekammer weiterentwickelt. Der Fokus liegt nicht nur darauf, dass die „Vorsorgeuntersuchung Neu“ dem aktuellen Stand der Medizin entspricht, sondern auch darauf, genderspezifische Aspekte zu berücksichtigen.

2019 nahmen 149.174 Steirerinnen und Steirer das Angebot der Vorsorgeuntersuchung Neu in Anspruch. 2.321 der Untersuchungen zählen zum gynäkologischen Untersuchungsprogramm. Diese werden in den weiteren Analysen nicht dargestellt. Die Vorsorgeuntersuchung wird von Frauen etwas mehr genützt als von Männern. Der Anteil der Frauen liegt bei 55,0 %. Ein regionaler Vergleich ist möglich, indem die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen der Zielgruppe (Bevölkerung ab 18 Jahren) gegenübergestellt wird. In der Steiermark sind das 1.442 Personen je 10.000 EW 18+, die die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen. Gemeinsam mit Niederösterreich und Oberösterreich liegt die Steiermark damit unter dem österreichischen Wert von 1.514 Personen je 10.000 EW 18+.

Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen absolut und je 10.000 EW
nach österreichischen Bundesländern 2019
Österreichische Sozialversicherung

Seit 2005 ist die Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchung durch Steirerinnen und Steirer etwas angestiegen. Damals gingen 1.302 Personen je 10.000 EW 18+ zur Vorsorgeuntersuchung.

Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen je 10.000 EW
nach Geschlecht, österreichischen Bundesländern und Österreich gesamt für die Jahre 2006-2019
Österreichische Sozialversicherung

Die meisten Personen, die eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen sind zwischen 54 und 65 Jahre alt. 21,4 % der untersuchten Personen zählen zu dieser Altersgruppe.

Anteil der Personen, die eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen
nach Alter in 10-Jahres-Schritten, Geschlecht und Steiermark gesamt 2019
Österreichische Sozialversicherung

Der Anteil der Personen, die eine medizinische Leistung nicht in Anspruch genommen haben, weil diese zu teuer war lag 2019 in der Steiermark bei 4,7 %. Der österreichische Durchschnitt liegt mit 4,3 % knapp darunter. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist sehr gering. Für 5,4 % der Steirerinnen und 4,1 % der Steirer waren die Kosten ausschlaggebend dafür, eine medizinische Leistung nicht in Anspruch zu nehmen.

Anteil der Personen, der aus Kostengründen eine Untersuchung nicht in Anspruch genommen hat
nach steirischen Versorgungsregionen 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Anteil der Personen, der aus Kostengründen eine Untersuchung nicht in Anspruch genommen hat
nach österreichischen Bundesländern 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Anteil der Personen, die aus Kostengründen eine Untersuchung nicht in Anspruch genommen haben
nach Geschlecht, Bildungsstand und Steiermark gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Anteil der Personen, die aus Kostengründen eine Untersuchung nicht in Anspruch genommen haben
nach Geschlecht, Bildungsstand und Österreich gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Anteil der Personen, die aus Kostengründen eine Untersuchung nicht in Anspruch genommen haben
nach Alter in 10-Jahres-Schritten, Geschlecht und Steiermark gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark

Anteil der Personen, die aus Kostengründen eine Untersuchung nicht in Anspruch genommen haben
nach Alter in 10-Jahres-Schritten, Geschlecht und Österreich gesamt 2019
Statistik Austria (Gesundheitsbefragung 2019); Bearbeitung: Landesstatistik Steiermark


Versicherte

2019 waren in der Steiermark 1.230.502 Personen krankenversichert. Das entspricht einem Anteil von 99,0 % und somit dem österreichischen Durchschnitt. Seit 2014 ist der Anteil der versicherten Personen kontinuierlich angestiegen. Damals lag er in der Steiermark bei 98,4 %, in Österreich bei 98,6 %.

Versicherte Personen absolut und relativ
nach österreichischen Bundesländern im Jahresdurchschnitt 2019
Österreichische Sozialversicherung

Anteil versicherter Personen
nach österreichischen Bundesländern im Jahresdurchschnitt für die Jahre 2014-2019
Österreichische Sozialversicherung


Selbsthilfe

Im April 2016 wurde im Auftrag des Landes Steiermark die Selbsthilfe Steiermark als Service- und Kontaktstelle gegründet. Die Aufgaben der Selbsthilfe Steiermark liegen darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein effektives Arbeiten und eine Aktivierung der Selbsthilfe in der Steiermark ermöglichen. Das umfasst die praktische Unterstützung und Qualitätsentwicklung von Selbsthilfegruppen und -vereinen und die Förderung des Dialogs zwischen unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren im Gesundheits- und Sozialbereich.

2020 gab es in der Steiermark 175 Selbsthilfegruppen und -vereine. Zu rund 75 % (134 Gruppen und Vereinen) liegen detaillierte Informationen auf Basis retournierter Datenblätter vor. 58 % dieser Einrichtungen agieren krankheits- und/oder themenspezifisch, 42 % haben krankheits- und/oder themenübergreifende Aufgaben und Ziele.

Es gibt einige Einrichtungen, bei welchen Gruppentreffen online abgehalten werden, bzw. bundesweite Einrichtungen, wo die Zusammenkünfte auch in anderen Bundesländern stattfinden. Von 101 Selbsthilfegruppen liegen Informationen dazu vor, ob sie bundes- oder landesweit tätig sind. 58 dieser Gruppen (57,45 %) sind landesweit tätig, 43 Gruppen (42,65 %) bundesweit. Insgesamt gibt es in der Steiermark pro Jahr rund 2.300 Gruppentreffen. 84 der 134 Gruppen und Vereine, zu welchen detaillierte Informationen vorliegen, veranstalten Gruppentreffen in Graz, weitere 12 in Graz-Umgebung. Damit findet fast die Hälfte der Gruppentreffen in der Versorgungsregion Graz statt. Gruppentreffen von jeweils 32 Gruppen und Vereinen gibt es in den Versorgungsregionen Oststeiermark (Bezirke Hartberg-Fürstenfeld, Südoststeiermark und Weiz) und West- und Südsteiermark (Deutschlandsberg, Leibnitz und Voitsberg). An Gruppentreffen nehmen mehr Frauen als Männer teil. Der Anteil der Frauen liegt bei 60,65 %, der Männeranteil beträgt 39,45 %.

Anzahl und Anteil der Gruppen von Selbsthilfegruppen und Vereinen
nach steirischen Bezirken und Versorgungsregionen 2020
Selbsthilfe Steiermark

Für die Inanspruchnahme von Selbsthilfegruppen und Vereinen ist es auch ausschlaggebend, ob es ein wohnortnahes Angebot gibt. Bei 75 % der Selbsthilfegruppen ist bekannt, woher die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen. Nur etwa 15 % der Gruppen und Vereine erreichen Personen aus Murau während z.B. in 70 % der Gruppen und Vereinen Personen aus Graz teilnehmen.


Gesundheitskompetenz

Gesundheitskompetenz ist definiert als das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen,
die es ermöglichen, relevante Gesundheitsinformation in den Domänen der Krankheitsbewältigung,
der Krankheitsprävention und der Gesundheitsförderung zu finden, zu verstehen, zu beurteilen
und anzuwenden, mit dem Ziel, im Alltag Urteile zu fällen und Entscheidungen treffen zu können,
die die Lebensqualität während des gesamten Lebenslaufs erhalten oder verbessern.

Die erste Österreichische Gesundheitskompetenz-Erhebung fand 2011 statt. Da diese im Vergleich zu anderen europäischen Ländern einen deutlichen Handlungsbedarf für Österreich aufgezeigt hat, gibt es seither zahlreiche positive Entwicklungen mit dem Ziel, die Gesundheitskompetenz der Österreicherinnen und Österreicher zu verbessern. So wurde dieses Ziel in die Gesundheitsziele Österreich aufgenommen, in der Gesundheitsreform verankert und die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK) eingerichtet. Die neuerliche Österreichische Gesundheitskompetenz-Erhebung (HLS19-AT) ist Teil des internationalen Health Literacy Survey (HLS19). Diese Messung wird parallel in 18 Ländern durchgeführt. Ziel ist es, mit der Erhebung neue Baselinedaten zu generieren .

Um die Gesundheitskompetenz festzustellen, bewerten die befragten Personen 12 Gesundheitskompetenz-Aufgaben wie z.B. die Beurteilung von Vor- und Nachteilen von verschiedenen Behandlungsmethoden, das Finden von Informationen darüber, wie man mit psychischen Problemen umgeht oder die Entscheidungsfindung, wie Gesundheit und Wohlbefinden verbessert werden können. Im Durchschnitt haben die Steirerinnen und Steirer damit ihre Gesundheitskompetenz mit 84,4 % bewertet, d.h. rund 85 % der 12 Aufgaben zur Gesundheitskompetenz wurden als sehr einfach oder einfach eingestuft (Österreich: 84,8 %).

Die allgemeine Gesundheitskompetenz kann anhand der Subdimensionen Krankheitsbewältigung, Prävention und Gesundheitsförderung differenziert werden. Während die Gesundheitskompetenz im Bereich der Gesundheitsförderung bei 90,2 % liegt (Österreich: 89,5 %), wurden bei der Krankheitsbewältigung nur 84,9 % erreicht (Österreich: 84,3 %). Im Bereich der Prävention sinkt dieser Wert auf 78,7 %. Damit liegt die Steiermark in diesem Bereich unter dem österreichischen Durchschnitt von 80,4 %.

In der detaillierten Betrachtung der Fragestellungen gibt es eine Frage, bei der ein großer Unterschied zu den österreichischen Ergebnissen vorliegt: 17,3 % der befragten Steirerinnen und Steirer finden es schwierig oder sehr schwierig, zu beurteilen, ob Informationen über ungesunde Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Bewegungsmangel oder übermäßiger Alkoholkonsum vertrauenswürdig sind. Insgesamt ist es für 11,8 % der Österreicherinnen und Österreicher schwierig oder sehr schwierig.


Gesundheitsfördernde Einrichtungen

Das österreichische Netzwerk gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen (ONGKG) besteht seit 1996 und ist seit 2006 als gemeinnütziger Verein organisiert. Dieser unterstützt Krankenanstalten und Gesundheitseinrichtungen darin, Strukturen und Prozesse gesundheitsförderlich weiterzuentwickeln. Ziel ist dabei der größtmögliche Gesundheitsgewinn aller Personen, die im jeweiligen Krankenhaus ein- und ausgehen: Angestellte, Patientinnen und Patienten, Besucherinnen und Besucher und auch die Bevölkerung im Einzugsgebiet.

Derzeit sind 24 Einrichtungen ordentliche Mitglieder im ONGKG, darunter 7 steirische Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen: Das LKH Graz II, die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz, das Krankenhaus der Elisabethinen Graz, die Steiermärkische Krankenanstaltenges.m.b.H. das LKH Universitätsklinikum Graz, das LKH Hochsteiermark und das neurologische Therapiezentrum Kapfenberg.